Werner Abegg: Carl Maria von Weber: Der Freischütz. Romantische Oper – Finstere Mächte – Bühnenwirkung. In: Musiktheater – Beiträge zur Didaktik und Methodik Band 3. Wißner Augsburg 2005

 

„Warum ´Der Freischütz`? Was gibt es zu dieser Oper noch Neues zu sagen?“ (s. 4). So beginnt das Vorwort dieses für die Oberstufe gedachten 56seitigen Heftes. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das „alte, beliebte Stück“ dem Opernfreund häufig in einer Gestaltung gegenüber tritt, in der er „es kaum wieder erkennt“. Und da der Autor will, dass „die Schüler dem Kulturgut Oper im Musikunterricht begegnen sollen“, bedarf es einer angemessenen Vorbereitung.

Als Grundstruktur einer Unterrichtssequenz schlägt er einen Dreierschritt vor:

1. Einführung in Handlung, in Biographisches und in die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte,

2. Besuch der Vorstellung in einem Opernhaus (ersatzweise Betrachtung einer Filmproduktion),

3. Vertiefung in Kleingruppen- oder Einzelarbeit.

Für die dritte Phase bietet Abegg Materialien an, die in ihren thematischen Schwerpunkten den Bezug zur Lebenswelt der Schüler herstellen. Auf jeweils 3 – 4 Seiten werden folgende zehn Gegensatzpaare im Werk analysiert:

Hell – Dunkel; Heimlich – Unheimlich; Glaube – Aberglaube; Männlich – Weiblich; Sprechen – Singen; Vokal – Instrumental; Populär – Elitär; Klassisch – Romantisch; Gestückelt – Geschlossen; Zeitgebunden – Überzeitlich.

Jedem Baustein liegt eine Eingangsthese zugrunde, z.B. heißt es im 7. Teil: „Das Populäre wirkt auf mehreren Ebenen, das Elitäre liegt allein in der Komposition“ (S. 37). Dazu gehört eine vorgegebene Musikszene, die mit einer eigens charakterisierten Methode behandelt werden soll (hier: „Aspektgeleitete Analyse, Textarbeit“).

In meinen Augen sind derartige Thesenformulierungen problematisch, nicht nur wegen der mageren Formulierung. Vielmehr stört es mich, dass hier tendenziell etwas am Ausgangspunkt einer Analyse steht, was dann nur affirmativ nachvollzogen werden muss. Gerade für die Arbeit in der Oberstufe ( im Vorwort betont der Autor sogar seinen Anspruch auf Eigenverantwortung der Schüler!) wären Widerspruch provozierende Impulse angemessener.

Das Heft enthält eine Fülle von Quelltexten, Notenmaterialien und Abbildungen. Im Anhang finden wir die wichtigsten Veröffentlichungen zur Oper und eine übersichtliche Diskographie. Wünschenswert wären darüber hinaus Hinweise auf geeignete Internetadressen.

Insgesamt also eine gute und ausführliche Arbeitsgrundlage. Handlungsorientierten Unterricht findet man in dieser traditionellen Veröffentlichung vergebens. Wer das sucht, sollte lieber zu W.M. Strohs Heft „Szenische Interpretation der Oper `Der Freischütz`“ (Oldenburg 1996) greifen.