Hans Bäßler: Geistliche Musik - Arbeitsheft für den Musikunterricht in der Sekundarstufe II an allgemeinbildenden Schulen. Klett, Leipzig 2003. 56 Seiten

(aus: Musik & Bildung 3/2005)
In der verdienstvollen Reihe "Thema Musik" hat der Klett-Verlags ein neues Heft für den Unterricht in der Sekundarstufe II veröffentlicht. Zunächst war mein Vorurteil: Warum schon wieder die Thematik "Geistliche Musik"? Schließlich liegen hierzu unübersehbar viele Unterrichtsmodelle vor. Beim näheren Hinsicht musste ich meine Meinung grundlegend ändern. Diese Publikation überragt deutlich alle vorherigen zu diesem Thema - zumindest was die Arbeit in der Oberstufe angeht - insofern, als hier in überzeugender Weise wesentliche Aspekte der geistlichen Musik in enge Verbindung mit der Lebenswelt der Schüler gebracht werden.
In drei umfangreichen, jedoch konzentrierten, Kapiteln umreißt der Autor musikgeschichtliche Stationen geistlicher Musik von 1500 bis heute. Übersichtlich angeordnet werden diese Seiten durch einen knappen "Kulturfahrplan" im Kopf jeder Seite zusammengehalten. Kurzbiographien und Begriffserklärungen bieten zusammen mit einem erläuternden Fließtext gute Arbeitsmöglichkeiten im Sinne einer traditionellen, geschichtlich orientierten Unterrichtsdidaktik. Positiv hervorheben möchte ich, dass mit einem Stück der Gruppe P.O.D. auch ein Musikbeispiel aus der Rockmusik Eingang in diese Chronik gefunden hat.
Den Schwerpunkt des Heftes bilden drei Unterrichtssequenzen mit den Themen:
- Der Gottesdienst - Ausgangspunkt geistlicher Musik
- Advent in der Musik
- Ende des Kirchenjahrs - Der Tod in den Künsten reflektiert.
Ausgangspunkt ist eine übersichtliche Darstellung der Gottesdienstordnung mit den für die Musik besonders relevanten Stationen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Benedictus sowie Agnus Die. Die Schüler erhalten die Gelegenheit, sich punktuell mit Werken von Palestrina, Bruckner, Strawinsky und Hindemith nicht nur musikimmanent, sondern immer auch in Bezug auf religiöse Grundfragen auseinander zu setzen. Interessanterweise fehlt hier J. S. Bach, dem jedoch mit der Kantate BWV 61 "Nun komm, der Heiden Heiland" das gesamte zweite Kapitel gewidmet ist. Im dritten Teil steht der fächerübergreifende Unterricht im Vordergrund. Werke der Bildenden Kunst werden ebenso in Beziehung zur Musik (drei Vertonungen des Requiem) gesetzt wie Quellentexte aus der Literatur (Dante) und biblische Texte.
Eine kleine dreiseitige Einführung stimmt in das Thema ein. Wünschenswert wäre eine entsprechende "Ausfühlung" gewesen. Auch fehlt mir eine kurze Liste weiterführender Literatur. Die letzte Heftseite enthält eine gute tabellarische Übersicht über die Termine des Kirchenjahrs, - für den Laien eine gute Orientierungsmöglichkeit.
Alle Seiten - wie man es bei der Reihe gewohnt ist - sind ansprechend gestaltet. Es macht Spaß, mit den Quelltexten, Notenbeispielen und Bildern umzugehen, in dem Heft "herumzustöbern". Alles in allem also eine erfreuliche Bereicherung für den Unterricht in der Oberstufe. Viele Seiten bieten sich - eine Anpassung der teilweise recht abstrakten Lehrerimpulse vorausgesetzt - aber auch für die Arbeit in der oberen Sek. I an.