Die eigene CD - Der CD-Brenner als Unterrichtshilfe

aus: Musik & Bildung 6/1998 S. 63; weitere Informationen beim Schott-Verlag

Nicht selten haben meine Schüler mir eins voraus: den Umgang mit neuen Computer-Technologien. Der eine richtet mir meinen PC ein, der nächste berät mich beim Einstieg ins Internet. Ein anderer bringt voller Stolz seine erste "selbstgebrannte" CD mit in den Unterricht. Es handelt sich um einen Querschnitt seiner Lieblingslieder, die er voller Sachkompetenz der Klasse erläutert. Und als ich ihn in der Pause eingehender nach seiner Arbeit befrage, kommt mir der Gedanke, mir selbst die Möglichkeit zum Erstellen einer eigener CD zu verschaffen.

Die CD als Ersatz für die MC

Viele Hörbeispiele für meine Unterrichtseinheiten habe ich im Laufe der Jahre auf Musikcassetten zusammengestellt. So sind sie relativ praktikabel zu Themeneinheiten auf einer MC vereinigt. Jeder Kollege kennt aber auch die Nachteile dieser MCs: der Sound ist oft unbefriedigend, und das Hin- und Herspulen zum Heraussuchen eines Titels kann sehr umständlich sein.

Über eine entsprechende Soundkarte lassen sich die Musikbeispiele direkt von CD, Schallplatte oder MC in den Computer übertragen. Sie werden dort als sogenannte wav-Dateien abgespeichert. Das CD-Brennerprogramm erlaubt eine Sortierung der Titel und stellt automatisch eine Songliste her, auf der Titel, Interpret und Titellänge notiert sind.

Die so zusammengestellte Reihenfolge von Musikbeispielen läßt sich nun leicht auf eine CD "brennen". Diese kann ich dann im Unterricht wesentlich flexibler einsetzen als eine MC: Beispielsweise habe ich die Möglichkeit, ohne Zeitverlust von einem Titel zum anderen zu springen. Ein direkter A-B-Vergleich zwischen zwei Hörbeispielen wird damit vereinfacht. Außerdem kann ich mir ein individuelles Cover für die CD erstellen. Schließlich kann ich unser nächstes Schulkonzert in Top-Qualität auf CD präsentieren.

Die CD als Speichermedium

Mein Computer hat sich im Laufe der Zeit hoffnungslos mit allen möglichen Dateien gefüllt: Datenbanken, Briefwechsel, Klausurtexte, Midi-Songs, Graphiken usw. Auf Grund der beschränkten Kapazität ist es nahezu unmöglich, umfangreiche Sicherheitskopien auf Disketten zu erstellen. Diese herkömmlichen Datenträger versagen ihre Funktion bereits beim Abspeichern eines normalen Plakatentwurfs für eine Schulaufführung. Ich muß der Druckerei also einen relativ schlechten Ausdruck statt der Originaldaten vorlegen.

Mit der CD lösen sich diese Probleme schlagartig: Ich kann den gesamten Speicherplatz meiner Festplatte auf eine CD brennen und damit ein Total-Backup erzeugen. Sollte ich aus irgendeinem Grunde meinen Computer neu formatieren müssen (und das ist bereits vorgekommen, weil sich auf dem PC unter Windows 95 bekanntlich schnell Konfliktsituationen ergeben), so kann ich über die CD-Rom meine Programme und Daten reinstallieren. Mit der Druckerei kommuniziere ich nur noch über die CD. Dadurch gewinnt die Qualität der Plakte enorm.

Ein CD-Backup hat noch einen weiteren Vorteil: Ich kann die CD mit in die Schule nehmen und dort am schuleigenen PC meine gesamten Unterrichtsvorbereitungen einlesen, bearbeiten, ausdrucken usw.

Hitlisten auf CD

Der CD-Brenner bietet nicht nur technische Unterrichtshilfe, er kann auch pädagogische Ansprüche erfüllen. Als Beispiel dient eine Unterichtseinheit, die ich gelegentlich in allen Klassenstufen durchführe: Wir erstellen unsere eigene Hitliste. Nach den üblichen Verfahren einigt sich eine Klasse auf eine Rangfolge der beliebtesten Musikstücke. Offizielle Hitlisten werden gewissermaßen schulintern nachempfunden. Eine harte und nicht immer vorurteilsfreie Diskussion führt schließlich zu einem Abstimmungsprozeß. Die Hitliste des Monats liegt fest - doch leider nur an der Tafel oder auf dem Papier. Mit Hilfe des CD-Brenners kann ich diese Liste nun in Klänge umsetzen. Jeder Schüler will seine eigen Hit-CD haben. Unbemerkt bauen sich dabei Vorurteile gegenüber weniger favorisierter Musik ab. Die "andere" Musikrichtung bekommt plötzlich mehr Gewicht, sie wird toleriert.

Hilfe bei der Analyse

Eine weiterer Vorteil des Einsatzes selbsterstellter CDs ergibt sich durch die Möglichkeit, individuelle Indexmarken zu setzen, Teile auszuschneiden und unterschiedlich miteinander zu kombinieren. Nach dem Überspielen beispielsweise einer Sinfonie lassen sich leicht Indexmarken an pädagogisch wichtigen Stellen einbringen. Dadurch kann man direkt zwischen dem Haupt- und dem Seitenthema oder zwischen Exposition und Reprise springen. Fugeneinsätze werden herausgehoben, Abschnitte einer Opernszene können direkt miteinander verglichen werden.

Interessant ist auch die Kombination unterschiedlicher Klänge. Beispielsweise kann die Einleitung einer Beethoven-Sinfonie durch eine entsprechende Schnittechnik bruchlos mit der Exposition einer Brahms-Sinfonie verbunden werden. Das dadurch erzielte Klangergebnis, eine "neue" Komposition, führt in einem Leistungskurs schnell zu grundlegenden Auseinandersetzungen über musikästhetische Fragen.

Voraussetzungen und Tips

Der Umgang mit einem CD-Brenner ist sicherlich nur dem computererfahrenen Musiklehrer anzuraten. Man sollte über einen PC mit Windows 95 (oder einem gleichwertigen System) verfügen. Auf älteren Systemen arbeiten die Brenner in der Regel nicht. Der Brenner selber sieht wie ein normales CD-Laufwerk aus und kann in das Computergehäuse integriert werden. Software und Hardware kosten ca. 1000 DM. Der CD-Rohling kostet zur Zeit um zwei Mark. Die rasante Entwicklung auf diesem Gebiet wird in Zukunft einen erheblichen Preisrutsch mit sich bringen.

Das Hauptproblem beim Brennen ist die Tatsache, daß der Brennvorgang nicht unterbrochen werden darf. Es müssen stets genug Daten von der Festplatte zur Verarbeitung bereit stehen. Ist dieser Fluß einmal unterbrochen, kann man den Rohling in den Mülleimer werfen.

Um dies zu vermeiden, sollte man unbedingt folgende Punkte berücksichtigen:

- Sowohl der Bildschirmschoner (Start/Einstellungen/Systemsteuerung/Anzeige/Bildschirmschoner) als auch der Energiesparer für die Festplatte (Start/Einstellungen/Systemsteuerung/Energie/Laufwerke/bei Netzbetrieb deaktivieren) muß abgeschaltet sein.

- Möglichst alle im Hintergrund arbeitenden Programme sollten deaktiviert werden (Strg-Alt-Entf-Tasten drücken und nach Möglichkeit alle im Dialogfenster angezeigten Tasks beenden).