Staphan Zebe: Kyrie – A Gospel Mass. Hamburg 1997

(aus: Musik und Bildung 5/98 S. 64)

Gospelmessen sind an Schulen inzwischen keine Unbekannten mehr. Als Ergänzung oder Bereicherung der Aufführung traditioneller Messen können sie aufgrund ihres schwungvollen Charakters die schulische Chorarbeit beleben. Ein wesentlicher Vorteil ist v.a. die Aufführungsmöglichkeit mit Hilfe einer Schülerband. Traditionelle Messen können nur an Schulen erklingen, die über ein entsprechend qualifiziertes Orchester verfügen, es sei denn, sie werden von einer Orgel oder einem "eingekauften" Orchester begleitet. Ein weiterer Vorteil ergibt sich, wenn man bedenkt, daß die Gospelmesse solistisch von Schülern getragen werden kann. Bei der Realisierung traditioneller Messen wird der Musiklehrer wohlweislich auf ausgebildete (also schulfremde) Solisten zurückgreifen müssen.

Stephan Zebe bietet mit seiner englischsprachigen Messe ein etwa halbstündiges Werk an, das gut mit Schülern auf die Beine gestellt werden kann. Die vierstimmigen Chorsätze (SATB) sind durchweg sehr klangvoll und schwungreich. Exponierte Stellen und problematische Tenorpartien finden sich nicht. Die Schwierigkeiten liegen v.a. im Bereich des Rhythmischen. Hier muß mit absoluter Perfektion gearbeitet werden. Dabei ist der jazzige Groove jedoch harmonisch sehr durchsichtig, so daß sich die rhythmische Präzision bei einer entsprechend qualifizierten Begleitband schnell einstellen kann. Die (relativ wenigen) Solopartien sind durch Schüler durchaus zu realisieren: Nötig ist ein guter Tenor oder eine mittelhohe Frauenstimme. Einige Partien lassen dem Solisten einen motivierenden Freiraum zur eigenen Gestaltung.

Begleitet wird die Messe von einer Rhythmusgruppe, deren Kern Schlagzeug, Baß, Gitarre und Klavier bilden. Die Harmonien stellen an den Gitarristen nicht selten höhere Ansprüche.

Die Notation ist übersichtlich gestaltet. Vor allem wurde auf synkopische Notation und auf den traditionellen Chornotensatz, der jede Wortsilbe mit einem eigenen Fähnchen verbindet. verzichtet. Dadurch sind die Grundzählzeiten auch bei komplizierteren Stellen stets leicht zu erkennen. Die rhythmische Orientierung wird somit wesentlich erleichtert. Der Klaviersatz klingt schwungvoll, ist jedoch von Schülern nicht ohne weiteres zu realisieren. Wenn man ihn jedoch als Anregung versteht, kann man sich nach den sorgfältig eingetragenen Gitarrenakkorden richten und einen seinen eigenen Fähigkeiten entsprechenden Stil ausarbeiten.

Insgesamt bietet diese Gospelmesse die Möglichkeit, die schulische Chorarbeit durch ein anspruchsvolles, aber auch motivierendes Werk zu ergänzen. Dabei kann das Projekt durch den Einsatz von Laiensolisten und einer qualifizierten Schülerband mit hausinternen Mitteln bewerkstelligt werden.