Hardy/Laing: The Faber Companion to 20th-Century Popular Music. Faber & Faber London 1990
(aus: Musik und Bildung 3/93 S. 53)
Lexika über Rock/Popmusiktitel, -Platten und -Interpreten gibt es in großer Zahl und im unterschiedlichsten Niveau. Die meisten Publikationen kann ich kaum für die Hand eines in der Praxis stehenden Musiklehrers (es sei denn, er ist ein "Freak") empfehlen. Die gröbsten Mängel in jenen sind: mangelnde Aktualität, eine für unsere Arbeit unpassende Auswahl, oberflächliche bis unsinnige Biographien, wenig stilistische oder interpretatorische Aussagen.
Mit dem vorliegenden Faber-Companion hat sowohl ein der Popmusik nicht sehr nahe stehender Musiklehrer, als auch ein "Kenner der Szene" für den Unterricht brauchbares Material zur Hand - allerdings auf englisch! Sicherlich ist das über 870 Seiten dicke, fest eingebundene Buch auch für Schülerreferate einzusetzen.
Um die Brauchbarkeit derartiger Lexika zu prüfen, suche ich zunächst wahllos nach Namen von Interpreten, die gerade in meinem Unterricht eine Rolle spielen. Und siehe da: ich werde weitgehend fündig! Von den aktuell populären Interpreten finde ich Namen wie Prince, Simply Red, Madonna, Phil Collins und Andrew Lloyd Webber. Jazzmusiker wie Miles Davis, Elmar Bernstein oder Sidney Bechet stehen neben Größen der "Klassik" wie George Gershwin, Leonard Bernstein oder Placido Domingo und Filmmusikmachern wie Dimitri Tiomkin und Erich Korngold. Als englisches Lexikon sind nichtenglische Vertreter der Popmusik kaum vertreten: Nana Mouskouri, Freddy Quinn und die Gruppe Kraftwerk werden aufgeführt, weil sie auch im englischsprachigen Raum Erfolg hatten.
Die Qualität der biographischen Notizen sei am Beispiel Bob Dylan demonstriert. Der Text geht weit über das sonst übliche (und unfruchtbare) "Wer wann mit wem" hinaus.
Die Autoren nehmen (legitimerweise durchaus persönlich gefärbte) Stileinordnungen vor, deuten Dylans außermusikalische Aktivitäten an, zeigen seinen Einfluß auf andere Gruppen auf und charakterisieren die Atmosphäre und Hintergründe der wichtigsten Einspielungen oder der Bühnenauftritte. Der Ausblick auf Dylans Mitarbeit bei den Traveling Wilburys (einer aktuell erfolgreichen Gruppe mit Ex-Beatle George Harrison, ELO's Jeff Lynne und dem jüngst verstorbenen Roy Orbison) bestätigt die Aktualität des Buches, das immerhin nahezu 2000 Interpreten abhandelt. "Nebenbei" enthält es ein knappes, aber aussagekräftiges Glossar über musikalische Stilrichtungen.