Hering/Hill/Pleiner (Hg.): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. Leske+Budrich Opladen 1993
(aus: Musik und Bildung 1/94 S. 48)
Mit ihrem Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit legen die Autoren einen ausführlichen Bericht über die jahrelange Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft "Rock in" in der hessischen Jugendarbeit vor. Das Buch versteht sich als "Ideensammlung", als "aktuelle und umfassende Arbeitshilfe" vorrangig für die in der außerschulischen offenen Jugendarbeit engagierten Initiativen.
Aber auch Pädagogen im schulischen Bereich sollten sich einen Einblick in diese Arbeit verschaffen, da sie in vielen Fällen, wenn auch meist unbewußt, an das anknüpft, was im eigenen Unterricht intendiert ist. Bereits mit dem Kennenlernen dieser außerschulischen Sozialisation ist ein erster Schritt zur Beseitigung von standesdünkelnden Schranken zwischen Schule und "eigentlichem" Lebensbereich der Jugendlichen getan. In dieser Hinsicht ist die Lektüre des Buches auch für Musiklehrer empfehlenswert, auch wenn er daraus wenig konkrete "Rezepte" für den eigenen Unterricht schöpfen kann.
Ein einführender Aufsatz zeigt die wesentlichen Probleme auf, die sich auf dem Gebiet der Jugendarbeit im Laufe der letzten Jahre aufgetan haben. Der Einsatz von Rockmusik hatte unterschiedliche sozialisierende und therapeutische Bedeutungen, angefangen von elementaren Versuchen, die Jugendlichen über das "Handwerk" Musik an eine organisierte Freizeitbetätigung heranzuführen, bis hin zu teilweise "überpädagogisierten" Modellen einer Hilfe bei der Orientierungssuche Jugendlicher und als Bewußtmachung und Beeinflussung in den Spannungsfeldern Drogen, Sexualität oder Frauenemanzipation.
Der Hauptteil des Buches wird durch die Praxisberichte bestritten. In spannender und farbenreicher Form legen sie darüber Zeugnis ab, wie mühselig, sprunghaft und voller Rückschläge diese Arbeit einerseits sein kann, wie sie andererseits auch zu plötzlichen Erfolgserlebnissen auf Seiten der Sozialpädagogen wie auf Seiten der beteiligten Jugendlichen führen kann. Da geht es beispielsweise um die leidigen Probleme mit geeigneten Proberäumen, um den Kauf und die Pflege der teuren Ausrüstung. Natürlich kommen auch die Sorgen mit der musikalischen Grundausbildung und mit den Fingerfertigkeiten nicht zu kurz. Immer wieder stellen sich Widersprüche zwischen Anspruchsniveau und technischen Realisationsmöglichkeiten ein.
Besonders interessant finde ich die Berichte über die Arbeit mit Frauenbands und über den Einsatz der rockmusikalischen Betätigung in der Drogentherapie. Hier zeigt sich die Vielschichtigkeit der Arbeit: Zu den musikalischen und spieltechnischen Problemen gesellen sich noch die brisanten gesellschaftlichen - und oft kommen außerdem noch die nervenden Auseinandersetzungen mit der Bürokratie hinzu.
Für den Praktiker in der Jugendarbeit liefert ein dritter Teil hilfreiche Materialien, Tips und Adressen. Auch ein Bericht über den Einsatz von erschwinglichen Computerausrüstungen sowie ein kurzer Abriß über die rechtlichen Fragen fehlen nicht. Eine ausführliche Bibliographie rundet das insgesamt positive Bild ab: ein Buch, das man sicherlich auch Lehrern im schulischen Bereich zur gelegentlichen Lektüre empfehlen kann.