Bernhard G. Hofmann: Arrangement & Orchestration – Das A & O für Arrangeure und alle, die es werden möchten (mit CD). Alfred Publishing, Neustadt/Wied 2002
(aus Musik und Bildung 2/2004 S. 74)
Ehe
ich das Buch aufschlug, war mein Vorurteil: Schon wieder eine neue Musiklehre,
- die dreizehnte, die mein Bücherschrank füllt. Nach dem Aufschlagen und ersten
Herumstöbern hat sich meine Meinung jedoch
grundlegend geändert: Inzwischen greife ich immer wieder zu diesem Buch, um es
im Unterricht einzusetzen oder um es an Schüler, die sich für ein spezielles
Gebiet vertiefend interessieren, auszuleihen.
Wie
unterscheidet es sich wesentlich von den zwölf anderen? Um es vorwegzunehmen: Es
ist der gelungene Versuch, die Lehre von den Tonleitern mit der
Rock/Pop-Harmonik und damit auch mit der Kunst des Arrangierens und
Improvisierens konsequent zu verknüpfen.
Doch
gehen wir der Reihenfolge nach. Zuerst werden die gebräuchlichen Instrumente
der Rock- und Jazzmusik vorgestellt: Querflöte, Saxophone, Trompete, Hörner,
Posaunen, Keyboards, Gitarren und Bässe, sowie Schlagzeug. Die Beschreibung
jedes Instruments ist so ausführlich, daß man sie auch gut im Rahmen einer
Unterrichtsreihe Instrumentenkunde einsetzen kann. Der Autor gibt Details zum
Tonumfang, zu Spieltechniken und zum Einsatz im Ensemble.
Danach
folgt eine sehr umfassende Darstellung der musikalischen Rhythmik. Hier geht es
um Noten- und Pausenwerte, Tempo, Metrum und Takt, um Offbeat und Synkopen sowie
um komplexe Rhythmusstrukturen bis hin zur Polyrhythmik. Eine Unterlegung der komplizierteren
Rhythmen mit markanten Sprechsilben, wie es bei Jazzmusikern üblich ist, wäre
nicht zuletzt auch mit dem Ziel einer körperlich-vokalen Einübung wünschenswert
gewesen.
Den
Hauptteil des Buches bildet die Harmonielehre. Wie oben angedeutet, geht der
Autor von den verschiedenen Tonleitern aus, leitet daraus die terzgeschichteten
Akkorde ab und gibt gleichzeitig Hinweise zu „avoid notes“ (zu vermeidende
Noten). Dadurch legt er eine plausible Basis für das jazzorientierte
Improvisieren.
Neben
den geläufigen Dur- und Mollskalen finden wir die Kirchentonarten ebenso wie
pentatonische, Halbton- und Ganztonleitern. Außerdem werden die Bluesskala und
die dem Jazz vorbehaltenen BeBop-Skalen erläutert.
Als
besonders positiv möchte ich hervorheben, daß der Autor die Stufenlehre mit der
Funktionsharmonik eng verknüpft. Dadurch gibt er dem Leser die Möglichkeit, die
teilweise recht komplizierte Harmonik auch auf die Analyse klassischer Musik
anzuwenden. Begriffe wie Haupt- und Nebenfunktionen, Terzverwandtschaften,
Kadenz, Trugschluss usw. erweitern die vorrangig Jazz-orientierte
Harmonielehre.
Ein
eigenes Kapitel ist der Melodiekomposition gewidmet. Auch hier besteht ein
enger Zusammenhang zur Harmonik. Begriffe wie Motiv, thematische Verarbeitung
und Verzierung weisen über den Rahmen der Rock/Jazzmusik hinaus. Ähnliches gilt
für die Abschnitte über homophone und polyphone Satztechniken, wobei der Autor
einen deutlichen Unterschied zur klassischen Kontrapunktlehre macht.
Spezielle
Spielanweisungen und Überlegungen zur Ausarbeitung eines gesamten Arrangement
runden das Bild positiv ab. Dadurch kann das Buch auch für Leiter von
außerunterrichtlichen AGs wie Band, Combo oder Bigband genutzt werden.
Eine
beiliegende Audio-CD enthält die wichtigsten Hörbeispiele, eingespielt von top
Musikern. Das Stichwortverzeichnis ist ausführlich. Leider fehlen Angaben zur
weiterführenden Literatur.
Ursprünglich
wurde das Buch für den Studiengang an der Jazz & Rock Schule Freiburg
entwickelt und wendet sich zunächst an Bandleader. Dennoch möchte ich
hervorheben, daß es viel Material und weiterführende Impulse für den
traditionellen Musikunterricht bieten. Von daher empfehle ich das Buch auch für
den Musiklehrer.