Gerald Joswowitz: Computer im Musikunterricht. Musikpraxis in der Schule Band 9, mit CD. Bosse-Verlag Kassel 2003
(in: Klasse Musik 1/2004. Schott-Verlag)
Wir Musiklehrer kommen um den unterrichtlichen Einsatz des Computers nicht mehr herum. Er ist heute nicht mehr lediglich nur eine Hilfe für die Unterrichtsvorbereitung, eine bessere Schreibmaschine oder ein variabler Dateikasten für den Hausgebrauch. Immer mehr Schulen versorgen sich mit gut ausgestatteten Computerräumen. Manche Musik-Fachschaften verfügen über eine eigenes Equipment. Und meine Erfahrung ist, dass immer häufiger Schüler ihr eigenes Notebook mit in den Unterricht bringen, um per PowerPoint Präsentation Referate zu gestalten. Die Frage ist nicht mehr, dass und welcher Computer in Frage kommt, vielmehr geht es darum, welche didaktischen und methodischen Aufgaben er im Unterricht übernehmen kann.
Genau hier setzt das vorliegende Heft von Gerald Joswowitz an. Dabei hat er darauf geachtet, es weder ausschließlich für den Einsteiger, noch für den Fortgeschrittenen zu schreiben. Das Buch "versucht eine Art Mittelweg zu gehen, auf dem Anfänger Informationen und Tipps für den Einstieg erhalten, Fortgeschrittene diverse Ideen und Anregungen durch unterrichtspraktische Inhalte sammeln können" (aus dem Vorwort).
Das erste Kapitel ist den Grundlagen der Hard- und Software gewidmet. Hier gibt der Autor wertvolle Hinweise gerade für den Einsteiger, wobei er dankenswerterweise so allgemein bleibt, dass die rasante Entwicklung der Technik (man denke nur an die Möglichkeiten von DSL, Internet, WLAN, Windows XP usw.) das Buch nicht vorzeitig veralten lässt. Hier lernt der Anfänger wichtige Begriffe wie MIDI, Sequenzer und Harddiskrecording kennen. Außerdem werden einige typische Programme für Musikaufnahmen, Gehörbildung, Lexika und Datenbanken sowie Lernprogramme kurz erläutert. Natürlich kann dieser Teil angesichts der Fülle des Angebots nur aufrissartig sein. Schön finde ich, dass der Autor das recht flexible Programm "Band in the Box" erläutert, ein Programm, das einen ausgesprochen kreativen Umgang mit Kompositions-, Analyse- und Gehörbildungsaufgaben ermöglicht und gleichzeitig schnell zu gut klingenden Ergebnissen führt, ohne zuviel Musiktheorie oder Instrumentalfertigkeiten von den Schülern zu verlangen.
Der zweite Teil des Buches beinhaltet fünf Unterrichtsbeispiele, wobei beide Sekundarstufen berücksichtigt werden. Es handelt sich dabei nicht um "Kochrezepte", die angesichts der Heterogenität der technischen Ausstattungen von Schulen und des Vorwissens der Lehrer und Schüler ohnehin nicht einzulösen wären. Vielmehr erläutert der Autor seine Konzepte und schildert mögliche Stundenbilder.
Das Buch schließt mit einer gut sortierten, aktuellen und umfangreichen Sammlung von weiterführender Internetadressen. So erfährt der Leser auch, wo er sich die entsprechenden Programme besorgen kann. Eine kurze Kommentierung einiger wichtiger Adressen hätte diesen Teil wesentlich stärker abgerundet.
Zum Buch gibt es eine CD, die einige Demo-Versionen der besprochenen Programme sowie Klangbeispiele im wav-Format enthält. Alles in allem also ein spannendes und anregendes kleines Buch, das nicht nur in die Hände der Insider gehören sollte.