Mit dem Begriff „Fundgrube“ verbindet man im allgemeinen Orte wie Steinbrüche, Trödelmärkte oder archäologische Grabungen: vieles ist dem Zufall überlassen, und Wichtiges findet man zwischen dem Unnützen nur selten. Von daher war ich zunächst etwas skeptisch, als ich das kleine etwa 200 Seiten starke Buch in die Hand bekam. Sollte ich auch hier ein chaotisches Sammelsurium von austauschbaren Unterrichtsimpulsen vorfinden?
Ein intensives Blättern belehrte mich schnell des Gegenteils. Zwar handelt es sich im einzelnen durchweg um nur kurze, etwa zwei Seiten lange Unterrichtsvorschläge, diese sind jedoch klar den „klassischen“ Lehrplänen entsprechend in einer übersichtlichen Gliederung zusammengestellt:
1. Musiktheorie (Spielideen zur Musiktheorie, Übungsmaterialien)
2. Musikgeschichte (Epochenbegriff, europäische Musikgeschichte samt Jazz und Pop)
3. Instrumentenkunde (Instrumenten-Steckbriefe und Anleitungen zum Selbstbau)
4. Komponisten und Musiker (Steckbriefe zu Vertretern der „Klassik“ und der Popmusik)
5. Musik hören und machen (Polaritätsprofile, Konzertvorbereitungen und Mitspielsätze).
Jeder der rund 100 Arbeitsblätter ist ansprechend gestaltet und enthält viele Abbildungen, Notenbeispiele, Rätsel usw., wobei der Aufbau immer ähnlich ist: Einführung ins Thema – Übungen zum Thema. Dadurch kann jedes AB für sich genommen ohne große Vorbereitung einer Sachanalyse direkt für den Unterricht eingesetzt werden. Ausnahmen sind die sog. „Steckbrief-Vorlagen“. Hier werden die Schüler aufgefordert, selbständig und systematisch Daten und Fakten zusammenzutragen, um beispielsweise ein Referat zu gestalten.
Wie man sieht, wendet sich diese Materialsammlung nicht nur an den studierten Musiklehrer, sondern gerade auch an den musikpädagogischen Autodidakten und an den Lehrer mit Musik als Neigungsfach. Die Vorlagen sind schnell zur Hand, decken wesentliche Themen der Lehrpläne ab und sorgen für einen abwechslungsreichen Unterricht.
Dieser durchweg positive Eindruck wird jedoch in meinen Augen durch einige negative Aspekte getrübt. Da ist zunächst das unpraktische DIN-A5-Format zu nennen. Im Sinne der gängigen Kopier- und Arbeitspraxis wäre ein DIN-4-Format handlicher. Allerdings muss man dem positiv entgegenhalten, dass viele Vorlagen per Webcode in editierbarer Form über das Internet zugänglich sind.
Bei einer Reihe von Lückentexten fehlen die für den Lehrer gedachten Lösungen. Welcher Kollege kennt sich beispielsweise auf Anhieb und ohne Vorbereitung über Stockhausen, Kagel und Boulez aus (S. 150)?
Einige Materialien enthalten m.E. platte Verallgemeinerungen oder wertende Begriffe, was so nicht auf ein Schüler-AB gehört. Die Rolling Stones „bekamen ihre Probleme (Drogendelikte und Strafverfahren) immer wieder in den Griff“, die Musik der Beatles „spricht oft von Liebe“ oder Elvis bediente sich einer „bisweilen kitschigen Gesangstechnik“ (S. 166 ff).
Der gesamte Abschnitt über den Instrumenten-Eigenbau ist im Detail nur wenig hilfreich und derart dürftig, so dass man auf ihn lieber zu Gunsten vervollständigter AB hätte verzichten können. Die Literaturangaben sind in meinen Augen völlig unbefriedigend und scheinen nur der Selbstdarstellung des Autoren zu dienen.
Dennoch: Eine „Fundgrube“, die alles andere als ein Steinbruch ist und die durchaus in die Regale der Fachschaftsbücherei gehört.