Felix Janosa: Das Rap-Huhn. Eres-Verlag Lilienthal 1995

(aus: Musik und Bildung 1/96 S. 63)

Es war ein Fehler, ein Notenheft samt Playback-CD mit Rap-Stücken einem Musiklehrer zur Rezension in die Hand zu drücken, der Vater einer zwölfjährigen Tochter ist. Kaum hatte sie dieses prachtvolle Material entdeckt, waren unsere Nachbarn den ganzen Tag den Rappern ausgesetzt! Die Klassenkameraden haben fleißig mitgeholfen, die mitreißenden Lieder in unserer Siedlung lautstark bekannt zu machen.

Was der versierte Texter, Komponist und Arrangeur Felix Janosa hier anbietet, ist wirklich außerordentlicher Beachtung wert. Zehn witzige und charmante Lieder werden in einem ansprechenden Notenbild als klangvolles Vollplayback und als Instrumentalplayback für den eigenen Gebrauch angeboten. Die Texte sprechen sicherlich alle Altersstufen der Sekundarstufe I an. Keiner wird verschont. Beispielsweise Kalle, der Tennisstar: "Deckung, Leute, Großalarm! Da kommt Kalte mit dem Tennisarm. Ein Ball, ein Knall, ein klarer Fall. Ein Hirn so groß wie ein Tennisball," Oder der Urlaubsreisende im Kompaktangebot: "In den Flieger, der uns alle in den Urlaub trägt, werden alle wie die Ölsardinen eingelegt. Da ist keiner, der noch fröhlich aus dem Fenster kuckt, unser Nachbar hat den Nachtisch wieder ausgespuckt."

Alle Lieder haben einen satten Groove. Die Playbacks reißen mit, sind hervorragend arrangiert. Die Songs lassen sich problemlos im Klassenverband ein studieren, weil sie - wobei sie allerdings unbedingt rhythmisch präzise auszuführen sind - keine Ansprüche an die Intonation stellen. Die Texte laden geradezu ein, durch winzige Veränderungen auf die eigene Schule angewandt zu werden. Die Instrumentalplaybacks lassen in dieser Beziehung alle Möglichkeiten offen. Schnell ist aus dem Lied "jeder ist ein Star" ein eigener Klassensong entwickelt - bei einem Sound, der sich hören läßt!

Die Notation ist erfreulich über sichtlich. Das Bild wäre meines Erachtens abgerundet, wenn die Taktstriche bzw. die Hauptzählzeiten bei jedem System deutlich genau untereinander gestanden hätten. Ich persönlich mag auch die auftaktige Schreibweise einer Zeile nicht. Ich bevorzuge ganze Takte pro Zeile. Eine Angabe von Gitarrensymbolen wäre empfehlenswert, da es sicher auch Musiklehrer gibt, die den Rap gerne mit dem Klavier oder mit der Gitarre begleiten würden.

Diese kleinen optischen Einschränkungen sollen aber nicht von dem insgesamt überaus gelungenen Ansatz ablenken. Wenn mir meine Tochter es erlaubt, die Materialien mit in meine eigene Schule zu nehmen, werde ich sicherlich meinen nächsten Klassensong rappen lassen. Felix Janosa sollte weiterhin solche hervorragenden Unterrichtsmaterialien herausgeben.