Andrea Rittersberger: Jedes Kind will musizieren – Musik macht Kinder intelligenter und selbstbewußter. Beustverlag München 2002

(in: Musik und Bildung 3/2003)

Dieses Buch gehört eigentlich in die Hand von Eltern, die ihre Kinder musikalisch fördern wollen. Sie finden hier "sowohl Anregungen für das Musizieren in der Familie als auch einen Leitfaden durch die vielfältigen Angebote von Musikschulen" (S. 9).

Auch wenn hier keine Schullehrer angesprochen werden, ist es sinnvoll, das Buch in die Handbibliothek der Musikfachschaft einer allgemeinbildenden Schule aufzunehmen. Viele der Fragen, Probleme und Anregungen, die die Autorin auf Basis ihrer langjährigen Erfahrungen als Leiterin einer Hamburger Musikschule formuliert, sind nicht nur für Eltern, sondern auch für Musiklehrer von Interesse (s. S. 8):

Derartige Fragen tauchen oft in Beratungsgesprächen zwischen Schülern, Eltern und Musiklehrern auf. Das Buch von Andrea Rittersberger ist dabei sehr hilfreich, weil es zentrale Themen anspricht, viele Details erörtert und einen gut sortierten Anhang präsentiert.

Grundlage ihrer Ausführungen ist, wie es schon im Untertitel deutlich wird, daß Musik dazu beiträgt, Kinder intelligenter und selbstbewußter zu machen: "Sie (die Musik) macht fröhlich, tröstet oder spornt an. Aktives Musizieren hingegen bewirkt noch viel mehr: Es fördert die Persönlichkeitsentwicklung und die Kreativität. Neueste Forschungen haben ergeben, dass Musizieren die Intelligenz und das Sozialverhalten von Kindern nachhaltig positiv beeinflusst. Regelmäßig musizierende Kinder sind darüber hinaus deutlich weniger aggressiv und gehen insgesamt toleranter miteinander um" (S. 8).

Leider gibt die Autorin dem Leser keine Gelegenheit, derartig gewichtige Thesen selber zu überprüfen. Immer wieder liest man in ihrem Buch Formulierungen wie "neueste Forschungsergebnisse...", "Versuchsreihen haben gezeigt...", "Forscher fanden heraus..." usw. ohne eine weiterführende Literaturangabe bzw. einen Querverweis zu den im Anhang aufgeführten Büchern an der Hand zu haben. Gerade wenn ich als Musiklehrer Eltern oder Schüler beraten will, muß ich derart weitgehende Thesen auch belegen können.

Trotz dieses Mankos ist das Buch empfehlenswert. Es spannt den Bogen von der musikalischen Früherziehung im Kindergarten über den Instrumentalunterricht in der Musikschule, die musikalische Hochbegabtenförderung, die Musiktherapie bis hin zum Musikunterricht für Erwachsene. Damit bietet es einen guten Einblick in den großen Bereich musikalischer Erziehung, der normalerweise in der Sichtweise eines Musiklehrers an allgemeinbildenden Schulen zu Unrecht ausgespart wird. Das Buch könnte helfen, Brücken zwischen Musikschule und Schule zu schlagen, die für beide Seiten fruchtbar sein können.