Russel Robinson / Jay Althouse: Das große Buch der Chor Warm-Ups. Eine umfassende Sammlung von Einsinge- und Aufwärmübungen mit Praxisanleitung. Alfred Publishing, Neustadt/Wied 2004

(aus: Musik & Bildung 3/2005)
Handbücher für die Chorleitung gibt es eigentlich schon genug, und im übrigen machen viele Chorleiter sowieso das, was sie schon immer gemacht haben. Wozu sich also mit einem weiteren Buch belasten? - Das hatte ich zuerst gedacht, als mir die in einem Ringordner gebundene Sammlung in die Hände kam. Ich legte sie irgendwo in meine "Chor-Ecke", bis sie mir eines Tages wieder auffiel, als ich vertretungsweise einen Kinderchor übernehmen sollte. Auf dem Umschlag stand nämlich: "Für Chorleiter in Kinderchor, Jugendchor, Erwachsenenchor und Kirchenchor". Neugierig geworden stöberte ich ein wenig herum und merkte bald, dass ich hier eine ausgezeichnete Hilfe für meinen Umgang mit dem Kinderchor hatte. Die Kinder sprangen sofort auf die swingenden, teils witzigen und für sie neuen Übungen, die sog. "Fun Warm-Ups" an. Einsingen ist seitdem nicht mehr die lästige Pflichtübung. Die Warm-Ups schaffen Konzentration, bereiten den Körper spielerisch auf das Singen vor und fördern die richtige Atmung. Die Methode überzeugte mich bald, sie auch auf meinen Jugendchor anzuwenden. Dabei machte das Buch mir klar, dass man sehr wohl zwischen den verschiedenen Altersgruppen unterscheiden sollte. Die Autoren modifizieren ihre Anregungen auf die verschiedenen altersbedingten entwicklungspsychologischen, ästhetischen und stimmtechnischen Bedingungen. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit Warm-Up Gymnatik, die nicht länger als fünf Minuten dauern sollte. Besonderer Wert wird dann auf die richtige Körperhaltung während des Singens gelegt. Fotos verdeutlichen den Unterschied zwischen guter und schlechter Haltung, im Stehen wie im Sitzen. Dann folgen an die 200 kurze Übungen, die neben dem Einsingen das Ziel haben, die Beweglichkeit der Stimme zu erhöhen, den Stimmumfang zu erweitern, Sicherheit in Rhythmus und Intonation herzustellen und den Körper, v.a. das Zwerchfell, bewusster wahrzunehmen. Eine Reihe von Übungen dienen der Gehörbildung. Sie sollten so langsam gesungen werden, dass die Sänger das Intervall "hören", bevor sie es singen. Der Gehörbildung zu Gute kommen auch die vielfältigen mehrstimmigen Übungen. Ein eigener Abschnitt bietet Material "nur für Kirchenchöre" an. Ein anderer enthält motivierende Kanons. Ein gut sortierter Index erleichtert die schnelle Suche. Viele Warm-Ups werden auf Text gesungen. Die original englischen Texte sind gut und originell ins Deutsche übersetzt worden. Oft machen die Autoren Vorschläge, wie man passende eigene Texte einsetzen kann. Die Form der Spiralbindung erweist sich als recht praktisch. Man kann das Buch während der Probe aufgeschlagen liegen lassen, um schnell auf eine Übung zurückzugreifen. Mit einem Blick hat man das wichtigste im Griff: Das aufgeschlagene Buch enthält auf der linken Seite die Anmerkungen, Vorschläge und Tipps, auf der rechten Seite die Noten. Insgesamt also eine sehr zu empfehlende Publikation. Wagen Sie als Chorleiter doch auch mal was Neues!