Daryl Runswick: Arrangieren in Rock, Pop und Jazz. Schott-Verlag Mainz 1996
(aus: Musik und Bildung 6/96 S. 56)
Die Publikationen zu diesem Thema können ganze Bücherregale füllen. Außerdem fühlensich nahezu alle Musikzeitschriften verpflichtet, ausführliche Artikelserien über diesen spröden Stoff zu veröffentlichen. Ich persönlich halte nicht viel von all diesen Darstellungen. Entweder sind sie zu theorielastig und helfen dem Musiklehrer nur wenig, seine speziellen Probleme vor Ort zu lösen. Oder aber sie sind für den Autor nichts weiter als ein Alibi, ihre urheberrechtlich geschützten Arrangements unter die Leute zu bringen.
Daryl Runswick legt demgegenüber ein Buch vor, das sich ohne zuviel Ballast durch theoretische Ausführungen unmittelbar an den Praktiker wendet, ohne jedoch den notwendigen Theorieanteil zu kurz kommen zu lassen. Die Darstellung ist logisch aufgebaut, umfaßt die wesentlichen Klanggruppen der heutigen Musikproduktion und ist im Text- Layout- und Notenbild sowie bezüglich der Abbildungen so ansprechend aufgebaut, daß man das Buch durchaus interessierten Schülern empfehlen kann.
Die Grundlage des Arrangements ist das einfache "Lead Sheet" (Hauptstimme plus Gesangstext und Gitarrenakkorde). Mit ihm kann man mit relativ versierten Musikern bereits ein komplettes Arrangement erarbeiten, ohne jedem Instrumentalisten eine eigene Stimme zuordnen zu müssen. Diese Notationsweise hat sich nicht nur bei Bands durchgesetzt, sondern spielt auch im Klassenmusizieren eine fundamentale Rolle.
Der Autor differenziert zwischen den speziellen Problemen der verschiedenen Klanggruppen: Lead und Backgroundvocals, Drums, Bass, Tasteninstrumente, Gitarre, Perkussion, Bläser und Streicher. Weitere Kapitel über Sampler und Computeranwendungen ergänzen die Darstellung. Dem a cappella Gesang und dem Jazzarrangement werden eigene Kapitel gewidmet. In jedem Teil geht der Autor immer von den konkreten Problemen aus, gibt übersichtliche und ein leuchtende Beispiele und erläutert die Theorie nur, soweit es unmittelbar erforderlich ist.
Im Anhang werden u.a. die Grundlagen für die moderne Gitarrenakkord Schreibweise erläutert. Dabei ist positiv hervorzuheben, daß auf die unterschiedliche Schreibweise, die gelegentlich zu Verwirrungen führen kann, hingewiesen wird.
Der insgesamt sehr positive Eindruck von diesem Buch wird durch einige Mängel im Detail getrübt. Die für die gesamte Rock- und Jazzmusik wichtige Jazztriole dem Eingeweihten als spezielle Notationsform eine Sclbstverständlichkeit wird nur beiläufig erwähnt und fehlt im Index. Als geradezu peinlich muß man den Exkurs des Autors in die Hirnforschung bezeichnen. Hier kolportiert er die vor hundert Jahren aufgekommene und inzwischen eindeutig widerlegte Theorie von den unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften in bezug auf Text- und Musikverarbeitung und nimmt das zum Anlaß, die reichlich fragwürdige These aufzustellen, daß gute Sänger nicht rappen können, - blanker Unsinn!
Die Übersetzerin des ursprünglich englischsprachigen Buchs wußte offenbar nicht, daß sich in der englischen und deutschen Schreibweise die Töne h und b unterscheiden. Dementsprechend wird der Leser, dem dieses Problem nicht geläufig ist, durch die uneinheitliche Schreibweise verwirrt.
Trotz dieser Mängel ein sehr empfehlenswertes Buch!