Horst Weber (Hg.): Komponisten – 58 Portraits vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Metzler Stuttgart 2004
Der Metzler-Verlag legt mit diesem Paperback eine Kurzfassung der 2. Auflage des bekannten „Komponistenlexikons – 350 werkgeschichtliche Portraits“ vor. Dabei sind etwa fünf Sechstel der Komponistennamen auf der Strecke geblieben, angefangen von Perotin bis hin zu Matthias Pintscher und Olga Neuwirth. Außerdem wurde in dem optisch sehr karg gehaltenen Band auf alle weiterführenden Literaturhinweise verzichtet. Ebenso wenig findet man Abbildungen, Werkverzeichnisse oder Stichwortregister. - Dafür kostet es aber auch nur ein Viertel…
Alles in allem also eine recht dürftige Abspeckung eines in meinen Augen sehr empfehlenswerten Buches. Auch Auswahl und Gewichtung der Beiträge erscheinen mir recht fragwürdig zu sein. Warum ist es beispielsweise Meyerbeer vergönnt, in den Reigen der „best of“ aufgenommen zu werden, während Telemann sich nicht platzieren konnte? Warum werden Verdi zehn Seiten gewidmet, während sich Vivaldi nur mit drei zufrieden geben muss?
Soll ich das Buch trotz aller Einschränkungen dem Leser
empfehlen? Nun, die große Stärke beider Veröffentlichungen liegt in der
inhaltlichen Qualität der einzelnen Beiträge. Deren Schwerpunkt bildet die
werkbiographische Darstellung, die das Schaffen
der Komponisten nach deren historischen Bedeutung und künstlerischen Qualität
einordnet. Die meisten Portraits sind von renommierten Musikwissenschaftlern
geschrieben und unterscheiden sich deutlich positiv von handelsüblichen
populären Lexika der Art „Beethoven, einer der größten Komponisten…“.
Wer also eine
griffige Sammlung von Kurzbiographien sucht, ist mit diesem kleinen, über 300
Seiten dicken Taschenbuch nicht gut bedient. So etwas gibt es heute ohnehin zur
Genüge frei und schnell zugänglich im Internet. Hier wird fündig, wer nach
stilgeschichtlichen Hintergründen und ästhetischen Zusammenhängen sucht. Das
erleichtert jedoch nicht gerade die Lesbarkeit der Texte. Von ihrem
Anspruchsniveau her richten sie sich eher an den Fachmann als an den Laien.
Nun, ich bin Musiklehrer - und immer auf der Suche nach geeigneter Literatur für meine Schüler. Das vorliegende Buch zählt nicht unbedingt dazu. Dazu ist die äußere Aufmachung zu wenig motivierend, der Inhalt teilweise zu überfordernd und eine Weiterführung zu anderer Literatur nicht gegeben.
Ich würde auch nicht eine Anschaffung für die Fachschaftsbibliothek empfehlen. Stattdessen bietet es sich an, lieber mehr Geld auszugeben und das „Original“ zu kaufen. Das vorliegende Taschenbuch könnte in meinen Augen allenfalls als „leichtes Urlaubsgepäck“ für den Musiklehrer dienen, der sich am Strand liegend weiterbilden möchte. Ich habe es jedenfalls schon in das Handgepäck gelegt und freue mich auf eine interessante Lektüre während meines Ferienflugs.