Dieter Zimmerschied: Erlebniswelt Musik: Oper - Operette - Musical. Schülerheft / Lehrerheft /CD-Box. Schott, Mainz 2002
(aus: Klasse Musik 1/03 S. 54)
In der verdienstvollen Reihe "Erlebniswelt Musik" liegt eine neue Veröffentlichung vor: Der bekannte Musikdidaktiker Dieter Zimmerschied bietet ein reich bebildertes Unterrichtsmaterial samt Lehrerkommentar und Hörbeispiel-CD zum Thema Musiktheater an. In einem 57-seitigen Schülerarbeitsheft breitet der Autor eine spannend zu lesende und didaktisch abwechslungsreich aufgearbeitete Geschichte des Musiktheaters vor den sicherlich schon durch die ansprechende äußere Form motivierten Schüleraugen aus. Dabei erfahren wir vieles über die Anfänge der Oper (Beispiel Monteverdis "Orfeo), deren Entwicklung in der Barockzeit (Händels "Julius Cäsar"), in der Klassik (Mozarts "Figaro"), in der Romantik (Verdis "Troubadour" und Wagners "Holländer") bis in das Musiktheater des 20. Jahrhunderts hinein (Bergs "Wozzeck", Weills "Mahagonny", Henzes "Lord" und Stockhausens "Dienstag aus Licht"). Ein visionärer Ausblick in das Zeitalter der modernen Massenmedien rundet diesen Teil ab, der mit 29 Seiten immerhin mehr als die Hälfte des Heftes beansprucht. Der Operette sind demgegenüber nur 10 Seiten gewidmet, was sicherlich auch dem geringeren didaktischen Stellenwert dieser Gattung entspricht. Dieser Teil ist bemerkenswerter Weise nach Städten geordnet: In Paris entstand Offenbachs "Orpheus", in Wien Johann Strauß´ "Fledermaus" und Lehárs "Lustige Witwe" und in Berlin Linckes "Frau Luna". Somit bleiben noch 17 Seiten für die Gattung Musical. Hier unterscheidet Zimmerschied zwischen dem "klassischen Musical" (Beispiel "West Side Story"), dem "engagierten Musical" ("Anatevka", "Jesus Christ Superstar" und "Evita") und dem "Showmusical". Beim letzteren finden wir einen interessanten Vergleich zwischen "Cats" und "Starlight Express". Diese Fülle von höchst konträren Beispielen führt die Schüler umfassend in die faszinierende Welt des Musiktheaters ein. Auch können durch die Auswahl und die didaktischen Impulse Zimmerschieds Ansprüche insgesamt gut eingelöst werden (Lehrerkommentar S. 7): - Musiktheater als Anregung zur Findung eigener Identität - Verständnis für historische Veränderungen in Musik und Gesellschaft zu wecken - Die Hemmschwelle zum bewußten Theaterbesuch zu überwinden. Angesichts dieser Fülle von Beispielen bleibt natürlich manches auf der Strecke, bzw. kann wenig ausdifferenziert werden. Dies gilt v.a. für die Gattung Musical. Dieser Abschnitt ist für mein Empfinden zu holzschnittartig angelegt. Es fehlt an differenzierenden Details. Das ist natürlich bei einem derartigen Rundschlag über das Musiktheater auf nur 57 Seiten nicht zu schaffen. Wäre es nicht langsam an der Zeit, ein Heft herauszubringen, was sich nur an einem Musical orientiert, dies aber von mehreren Seiten aus beleuchtet? Das in Wien erfolgreich aufgeführte Musical "Mozart!" könnte Grundlage für so einen ersten Schritt sein, bei dem sich das Wechselspiel von Legende und Wirklichkeit, von Bühne und Leben, von damals und heute spannend im Unterricht widergespiegelt läßt.